Was für ein Spiel in Cham! Nach einem Fehlstart kämpfte sich die „Erschde“ zurück ins Spiel, ging kurz vor Schluss mit vier Toren in Front und erzielte dennoch erst zwei Sekunden vor Schluss den entscheidenden Siegtreffer. Trotz Trickwurfverbot in den Trainingseinheiten zeigte Domi Schmidt mit einem Kopfleger von der Außenposition seine Kaltschnäuzigkeit. Der Jubel war riesengroß.

ASV Cham : TSV Roßtal 28:29 (15:14)

Erneut musste Andy Dörr verletzungsbedingt unter anderem auf seinen torgefährlichsten Spieler Sebastian Schuh (98 Saisontore) verzichten und trat nur mit vier – teilweise sehr jungen – Rückraumakteuren (2x Jahrgang 1998, 1x Jahrgang 2000) zur schweren Auswärtsaufgabe in Cham an. Der Roßtaler Trainer traute folgender Startformation: Micha Wolf im Tor, Schmidt und Kai Haltrich auf Außen, Chris Nepf am Kreis, Luke Franke und Marco Ehrmann sowie Dave Rößl im Rückraum, wobei letzterer mit Simon Meßthaler in der Defensive wechselte.

Die Roßtaler, die sich in dieser Partie als Außenseiter, aber dennoch nicht chancenlos sahen, verschliefen den Start vollkommen. Schnell waren die Chamer, denen der Aufstiegsrelegationsplatz wohl nicht mehr zu nehmen ist, mit 5:1 in Front (8. Spielminute). In den folgenden fünf Minuten wachte die Roßtaler Truppe endlich auf und erkämpfte einige Bälle, die durch ein schnelles Umschaltspiel in eigene Treffer umgemünzt wurden. Nach knapp 14 Minuten stellte Schmidt von Linksaußen erstmalig wieder auf Remis (6:6). Von nun an sahen die zahlreichen Chamer sowie die beiden Roßtaler Zuschauer ein ausgeglichenes Spiel zweier Teams, die sich auf Augenhöhe befanden. Über die großgewachsenen ASVler (gleich drei Leute mit 2 Metern in der Abwehrmitte) konnte der TSV nicht drüber werfen, durch eine hohe Ballgeschwindigkeit und genaue Anspiele wurden aber immer wieder Lücken gerissen und so schöne Tore erzielt. In der Defensive hatte man in der ersten Halbzeit mit Tomas Soukup zu kämpfen, der als Linkshänder in der Rückraummitte die Fäden zog und bester Spieler der Gastgeber war. Er war es auch, der die letzten drei Chamer Tore im ersten Durchgang erzielte. Bei den Roßtalern konnte man keinen Spieler einzeln herausnehmen, da einmal mehr das Kollektiv überzeugte. Jeder – egal ob erfahrener oder junger Spieler – strahlte Torgefahr aus, sodass stets mit dem Tabellenzweiten Schritt gehalten wurde (10:8, 11:10, 12:12, 14:14). Mit einem Treffer Rückstand ging es dann in die Pause.

Den ersten TSV-Treffer im zweiten Durchgang erzielte Ehrmann vom Siebenmeterstrich, der den Ball unter die Latte knallte. Es war übrigens erst das zweite Spiel in dieser Saison, bei dem die Roßtaler jeden ihrer Strafwürfe verwandeln konnten. Eine Abwehrumstellung schränkte die Kreise des Chamer Rückraums entscheidend ein, sodass die Roßtaler Defensive mit einem guten Zugriff aus der Kabine kam. Nach dem erneuten Ausgleich (17:17, 36. Spielminute), folgte jedoch eine kurze Schwächephase der Roßtaler. Ein 3-Tore-Lauf der Gastgeber wurde dann aber in Unterzahl durch einen schönen Durchbruch von Franke unterbrochen. Als dann auch noch Meßthaler auf die Bank musste, drohte das Spiel allerdings in Richtung Cham zu kippen. Doch Keeper Wolf konnte den fälligen Strafwurf von Soukup parieren und so einen 3-Tore-Rückstand verhindern. Kurze Zeit später startete die „Erschde“ selbst einen Lauf und erzielte drei Treffer „nach Gang“. Beim 21:22 durch den agilen Nepf am Kreis war der Jubel im Roßtaler Team groß, erstmals ging man in Führung (48. Spielminute). Erneut konnte die Abwehr in Zusammenarbeit mit dem Torwart den Ball erkämpfen und der A-Jugendliche Rößl, der ein starkes Spiel machte, feuerte das 21:23 in die Maschen. Die Chamer sahen sich zur Auszeit gezwungen, doch auch diese Unterbrechung bremste die Roßtaler nicht aus. Auch jetzt spielte das Team von Andy Dörr ganz ruhig seinen Stiefel herunter und verbarrikadierte das eigene Tor. Entweder Wolf oder ein Abwehrspieler war immer am gegnerischen Torwurf dran. Nach einem Doppelschlag von Meßthaler flackerte erstmals ein 3-Tore-Vorsprung auf der Anzeigentafel (54. Spielminute). Die Chamer probierten es nun mit dem siebten Feldspieler, erzielten daraus auch zwei eigene Treffer, doch die „Erschde“ traf in dieser Phase nahezu jede Angriffs-Entscheidung richtig. Als Nepf vom eigenen Kreis ins verwaiste ASV-Tor traf, wurde es ganz still in der Halle (24:28, 57.). Doch die Chamer zeigten ihre ganze Erfahrung (Durchschnittsalter: 28,79 Jahre) und gaben sich nicht auf. Die jungen Roßtaler (Durchschnittsalter: 23,91) agierten plötzlich sehr nervös, schlossen überhastet ab und gaben dem ASV so die Chance, sich wieder heranzukämpfen. Es kam wie es kommen musste: Nach einer Parade von Wolf, flog der Ball direkt zum Chamer Linksaußen Wagener, der alleinstehend zum 28:28 einwerfen konnte. Da waren noch 12 Sekunden zu spielen, die Zuschauer rasteten komplett aus. Doch der TSV handelte blitzschnell. Nach dem schnellen Anwurf spielte Ehrmann auf Linksaußen, dort kam Schmidt zum Wurf, schickte seine Nerven beiseite und traf mit einer Mischung aus Kopfleger und Heber aus ganz spitzem Winkel zum Siegtreffer. Ganz nach dem Motto: „Heber geht immer“. Der Jubel der Roßtaler kannte keine Grenzen mehr.

Nach diesem Kampfsieg rutschte der TSV sogar auf Rang vier der Landesliga-Tabelle. Der Abstand nach unten wurde wieder ein Stück größer, gesichert ist der Klassenerhalt aber nicht. Weiter geht es für die Roßtaler beim richtungsweisenden Spiel in Ingolstadt am kommenden Sonntag.
Übrigens: Die „Erschde machte durch den Sieg beim ASV Cham die TG Heidingsfeld vorzeitig zum Meister der Landesliga Nord. Von dieser Stelle aus herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg!

Kader:
Tor: Gerbing, Wolf (1. – 60.)
Feld: Franke (3), Schmidt (4), Ehrmann (5/3), Brandscher, Meßthaler (4), Haltrich (2), Nepf (5), Rößl (5), Schatz (1), Gruber

Bericht: Micha Wolf
Foto: imago

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