Am Ende einer mehr als verwirrenden Partie konnte der TSV Roßtal zwei Punkte aus dem Fichtelgebirge entführen. Nachdem der „Erschden“ zwischen der 31. und 47. Spielminute kein einziger Treffer gelang, wurde der Spielverlauf nochmal völlig auf den Kopf gestellt und die Partie gedreht. Einige Wermutstropfen gab es dennoch, da sich mit Ricco Wolff, Marcel Cisse und Nico Nepf gleich drei Spieler schlimmer verletzten und auch Sebastian Schuh angeschlagen aus der Partie ging.

HSG Fichtelgebirge : TSV Roßtal 21:22 (11:10)

Nach der ungewohnt langen Winterpause und einer wenig idealen Vorbereitung geht die Rückrunde für die Roßtaler direkt mit einer schwierigen Aufgabe beim Tabellendritten der HSG Fichtelgebirge los. Verzichten muss Trainer Andy Dörr auf zwei Langzeitverletzte. Armin Hofer wurde bereits am Finger operiert, eine zweite OP folgt. Wie lange der Rückraumspieler ausfällt ist noch nicht sicher. Genauso verhält es sich bei Tobi Gerbing. Der Torwart lag ebenfalls schon wegen seiner Knieverletzung auf dem OP-Tisch. Dennoch kann Dörr mit einem 14-Mann-Kader nach Ostoberfranken reisen. Auch die Gastgeber haben mit Personalproblemen zu kämpfen und müssen auf ihren torgefährlichsten Spieler verzichten. Während des Aufwärmens verletzt sich mit Ricco Wolff gleich der nächste TSV-Torhüter. Micha Wolf ist also auf sich allein gestellt, kann sich zu Beginn der Partie aber gleich einige Male auszeichnen. Doch im zweiten Angriff der Partie folgt gleich der nächste Schock. Sebastian Schuh verletzt sich am Oberschenkel und muss ausgewechselt werden. Nachdem sein Pendant Marcel Cisse im folgenden Angriff das 2:0 aus Roßtaler Sicht in die Tormaschen hämmert, folgt auch seine Verletzung. Immer wieder hat er Probleme mit dem Daumen, so auch heute, und kann nicht mehr weiterspielen. Nun muss der eigentliche Halblinke Simon Meßthaler auf der, für ihn ungewohnten, Position ran. Aber Handball wird auch gespielt. Die Partie verläuft ausgeglichen, ist aber auf beiden Seiten von technischen Fehlern und Fehlwürfen geprägt. Allgemein ist das Spiel sehr zerfahren und ein richtiger Spielfluss kommt nicht zustande. Nachdem anfangs die Roßtaler die spielbestimmende Mannschaft waren, übernimmt im Laufe der ersten Halbzeit die HSG zunehmend das Kommando. Beim 9:7 liegt der TSV erstmals mit zwei Treffern zurück (20. Spielminute). Die nächsten Minuten sind eher torarm, was an der guten Abwehrarbeit beider Seiten liegt. Beim Stand von 11:9 bekommt das Heimteam 15 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff noch einen Siebenmeter zugesprochen. Doch anstatt mit einem 3-Tore-Rückstand in die Kabine zu gehen, kann der TSV den Strafwurf parieren und im Gegenzug erzielt Nico Nepf sogar noch einen Treffer zum 11:10-Anschluss.

Der wieder eingewechselte Sebastian Schuh eröffnet den zweiten Durchgang mit einem Rückraumgeschoss und kann so den Ausgleich erzielen. Dass das der letzte Treffer für die nächsten 16 Minuten sein sollte, ahnt beim TSV niemand. Jetzt steht die Roßtaler Abwehr unaufmerksamer als noch in der ersten Hälfte und vorne geht nichts mehr zusammen. Der TSV zeigt in dieser Phase wenig Kreativität und Durchschlagskraft und die nötigen Ideen fehlen, um die kompakte HSG-Abwehr auseinander zu spielen. Zudem kommt der Keeper der Heimmannschaft immer besser ins Spiel und kann einige Bälle parieren. Während die Torflaute der Roßtaler anhält, kommt die HSG zu leichten Toren und kann immer weiter davonziehen. Nach einem 7:0-Lauf steht es 18:11 aus Roßtaler Sicht und auf der TSV-Bank glaubt niemand mehr an einen positiven Ausgang der Partie. Zu allem Überfluss verletzt sich auch noch Nico Nepf und kann nicht mehr weiterspielen. Doch diese Verletzung stellt einen Wendepunkt im Spiel dar. Als Marco Ehrmann kurze Zeit später per Strafwurf die Torflaute beendet und im Anschluss Arian Bonakdar einen Tempogegenstoß zum 18:13 veredelt, ist der Bann gebrochen. Zwar erzielt die Heimmannschaft noch das 19:13, aber jetzt sind wieder die Roßtaler am Zug. Die Abwehr lässt in dieser Phase überhaupt keine Abschlüsse mehr zu und im Angriff zeigt der junge Ehrmann über welche Spielmacher-Qualitäten er verfügt. Gekonnt setzt er seine Mitspieler in Szene, sodass der Rückstand immer weiter sinkt. Kurios hierbei ist, dass jeder Feldspieler, der in dieser Phase auf der Platte steht, in den letzten Minuten einen Treffer erzielt. Nach einem Doppelschlag von Lukas Franke aus dem Rückraum und einem beherzten Durchbruch von Marco Ehrmann leuchtet einen 19:19 auf der Anzeigentafel. Jeder in der Halle reibt sich verwundert die Augen. Markus Tröger wirft die HSG aber aus der Schockstarre heraus und kann zwei Treffer aus dem Rückraum erzielen (58. Spielminute). Doch auch jetzt steckt der TSV nicht auf. Ehrmann erzielt wieder den Anschlusstreffer. Nach einem folgenden Ballgewinn und dem anschließenden Konter wird Dominik Schmidt beim erfolgreichen Torwurf so vom Gegner getroffen, dass die Schiedsrichter den roten Karton zeigen. Es steht also wieder Unentschieden. Auch jetzt steht die Abwehr sicher und kann sich den Ball erkämpfen. Ein letzter Angriff wird die Entscheidung bringen. Ausgerechnet der Jüngste im Team, Arian Bonakdar, wird in diesem freigespielt und erzielt den umjubelten Siegtreffer.

Niemand, wirklich niemand hatte nach 48 Spielminuten daran geglaubt, dass die Roßtaler siegreich in die Rückrunde starten. „Wir waren heute ein gutes Beispiel, wie man mit einer positiven Einstellung und Siegeswillen alles noch rumreißen kann. So ein verrücktes Spiel habe ich selten erlebt.“, so der fassungslose Trainer Dörr nach der Partie.

Der TSV sammelt also weitere glückliche Punkte gegen den Abstieg und muss diese auch am kommenden Wochenende beim Heimspiel gegen den HSV Hochfranken bestätigen.

 

Kader:
Wolf, Wolff (beide Tor); Franke (5), Schmidt (2), Ehrmann (3/1), N. Nepf (1), Schuh (2/1), C. Nepf (1), Haltrich (1), Meßthaler (2), Hirschsteiner (1), Bonakdar (2), Gruber (1), Cisse (1).

 

Bericht von Micha Wolf

Foto: Matthias Wild

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